EINLEITUNG
Zwei Jobs, dieselbe Wiesn. Der eine bringt dir dein Bier, der andere flickt dich wieder zusammen, wenn’s zu viel davon war. Wir wollten wissen: Wer von beiden verdient eigentlich mehr? Und ehrlich – warum ist das überhaupt so, wie es ist?
DIE RECHERCHE
Fangen wir mit der Bedienung an. Erfahrene Kellnerinnen in gut besuchten Zelten nehmen laut mehreren Berichten zwischen 5.000 und 15.000 Euro mit, auf die 16 Wiesn-Tage gerechnet. Kein Stundenlohn, sondern Provision vom Umsatz plus Trinkgeld. Heißt: Je mehr sie verkaufen, desto mehr landet direkt in ihrer Tasche. Von uns.
Und der Sanitäter? Laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit verdient er im Median 4.447 Euro brutto im Monat. Für 16 Tage sind das rund 2.400 Euro – sein ganz normales Gehalt, kein Wiesn-Bonus obendrauf. Viele machen den Dienst sogar freiwillig. Dafür gibt’s zuletzt bekannt 65 bis 100 Euro pro Schicht. Fertig. Egal wie viele Leute er an dem Tag gerettet hat, der Betrag bleibt gleich.
DAS ERGEBNIS
2025 haben die Sanitäter über 7.000 Patienten versorgt, 39 Prozent davon alkoholbedingt. Am ersten Samstag allein 910 Einsätze. Trotzdem macht die Bedienung je nach Fall das Drei- bis Zehnfache von dem, was er verdient.
FAZIT
Das hat nichts damit zu tun, wer härter arbeitet. Beide schuften sich auf der Wiesn durch die Hölle. Der Unterschied steckt im System: Die Bedienung wird direkt von uns bezahlt, in dem Moment, in dem wir uns bedient fühlen. Der Sanitäter läuft über ein festes Gehalt oder eine Pauschale – komplett losgelöst davon, was er an dem Tag leistet.
Und das ist eigentlich das eigentliche Problem. Nicht, dass Bedienungen zu viel verdienen – die sind quasi selbständig, zahlen ihre Ausstattung selbst und kriegen das Geld nicht geschenkt. Sondern dass wir als Gesellschaft Trinkgeld für Bier übrig haben, aber keins für den Menschen, der uns am Ende wieder auf die Beine stellt.